Ohne Orientierungssinn in Lappland

Posted by on 21.1.2014 in Allgemein, Einheimische in Lappland, Winter | 2 comments

Ohne Orientierungssinn in Lappland

Ein guter Orientierungssinn ist nicht uns allen angeboren. Man könnte sich leicht vorstellen, dass die Natur dafür sorgt, dass die Menschen, die inmitten der harten Naturverhältnissen geboren werden, ihn auf jeden Fall hätten. Aber

Pekka und sein Lieblingshobby - aber nicht alleine!

Pekka und sein Lieblingshobby – aber nicht alleine!

nein, erbarmungslos ist die Natur. Nehmen wir meinen lieben Mann Pekka als Beispiel. Obwohl er aus einem kleinen Dorf Martti wirklich mitten in der Menschenleere des nord-östlichen Lapplands kommt, wo es bestimmt 10-mal mehr Renntiere gibt als Menschen, geht er nicht in den Wald alleine. Nach hundert Meter laufen wüsste er nämlich nicht mehr, wie er da rauskommen soll. Nicht dass er seinen Weg in einer Stadt besser finden könnte…

Wir können darüber lachen, weil er selber gerne so tut, aber der Orientierungssinn ist für viele ein ernsthaftes Thema, worüber man auch wetten kann. Vor einiger Zeit, als es noch keine Handys gab, und Pekka noch ein junger Mann war und zu Hause bei seinen Eltern in Martti wohnte, kam eines winterabends sein Cousin Jari mit dem Motorschlitten in den Hof, trat ins Haus Motorschlitten herein, und fragte, ob er telefonieren könnte. Er hatte mit den anderen Renntierwirten an einer Rentierzaune in Naltio, ungefähr 80 Kilometer weit weg von Martti, wo Pekka wohnte, gewettet, dass er in der stockdunklen Winternacht ohne jede Hilfe (Kompass, Landkarte oä) so gut orientieren kann, dass er bald bei Pekka sei. Und dann war er losgefahren, und einige Zeit später die Männer an dem Wildnistelefon an der Zaune angerufen, dass er die Strecke schon hinter sich gebracht hatte. Ganz einfach so.

Die dritte Geschichte ist aber die köstlichste, und ich muss sagen, dass ich selten so gelacht habe, wie damals, als ich sie gehört habe. Also hoffe ich, dass es auf Deutsch so lustig klingt wie auf Finnisch:

In Savukoski hat man die Sitte, fast jedem Bewohner einen zusätzlichen Namen zu geben, je nach dem, was er oder sie so tut oder getan hat im Leben. Der Zusatz- oder Spitzname kann auch nach einem einzelnen Ereignis gegeben werden. Auf dieser Weise hat auch der ”Fremdenführer” von Savukoski seinen Spitznamen bekommen. Sie wissen ja, wir pflücken hier in Lappland die köstliche gelbe Molte- oder Multebeeren, die wir mit dem Namen Hilla nennen, sehr gerne. Leckere süsse MoltebeerenSo hat der Matti aus Savukoski auch getan. Die Moltebeeren wachsen am besten auf dem Sumpf, und die Sümpfe sind hier oft sehr weit und breit. Matti hatte viele schöne gelbe Beeren gesehen, und war weiter und weiter gelaufen – bis er nicht mehr gewusst hatte, wo er ist, und wie er zurück zum Dorf kommen sollte. Am Abend hatte sich seine Frau angefangen, Sorgen zu machen, da ihr Mann immer noch nicht zurückgekommen war. Am nähcsten Tag hatte sie dann die Nachbarn um Hilfe gebeten, und so hatte man angefangen, mit vielen Leuten und schliesslich auch mit einem Hubschrauber auf Matti zu suchen. Nach einer ziemlich kurzen Suche hatte man ihn dann  - gar nicht so weit weg vom Dorf – auf einem Sumpf gefunden. Gut so, Matti und die Beeren waren heil nach Hause gekommen.

Nach diesem Ereignis hat man aber in Savukoski angefangen, Matti ”den Fremdenführer” zu nennen. Es sind dann eines Tages zwei Touristen aus dem Süden Finnlands in dem Lebensmittelgeschäft in Savukoski eingetreten, und gefragt, ob der Händler ihnen vielleicht jemanden im Dorf raten könnte, der sie auf die Sümpfe zum

Dorf Martti in Savukoski

Dorf Martti in Savukoski

Moltebeerenpflücken bringen könnte, weil sie ja selber nicht wissen konnten, wo die guten Beeren zu finden waren. Der Händler hat dann ganz freundlich erklärt, dass sie ja im Dorf einen Fremdenführer hätten, und verraten, wo Matti wohnt. Und die Touristen sind dann zu seiner Tür gegangen, um Hilfe zu bitten…

Und jetzt, meine lieben Leser und Leserinnen, demnächst werde ich Ihnen über das Filmfestival der indigenen Völker des Nordens, Skábmagovat, berichten. Das Festival findet nähcstes Wochenende in Inari, 300 Kilometer nördlich von Rovaniemi, statt, und ich werde mir dort einige der ausserordentlichen Filmen anschauen, und ein Paar andere schöne Stellen besuchen. Skábmagovat ist übrigens Samisch, und bedeutet die Bilder der dunklen Zeit im Norden, Kaamos.  Während Sie auf den nähcsten Post warten, können Sie die andere Artikel hier in diesem Blog besichtigen:

Hier können Sie mehr über das kommende Reiseangebot lesen.

Klicken Sie bitte hier, um mehr über die Authorin zu lesen…

…und hier, um mehr Erzählungen über das lappische Leben zu lesen!

Kategorie: Allgemein Einheimische in Lappland Winter | Tags: , , , , ,

2 Comments

  1. Wirklich wunderschön dass man Matti auf einem Sumpf gefunden!

  2. Da stimme ich voll zu, Taina! Was mag er wohl von seinem Spitznamen halten – davon bin ich mir nicht ganz so sicher :)

Möchten Sie etwas mitteilen, fragen, erzählen, können Sie hier sehr gerne einen Kommentar hinterlassen!